Bild der Bergkirche im Sommer ev. Gesamtkirchengemeinde in den Weinbergen Worms

Lage und Geschichte

“Wer es unternimmt, die evangelische Bergkirchengemeinde St.Peter in Worms-Hochheim vorzustellen, läuft möglicherweise Gefahr, sich, auf die Bergkirche konzentriert, im Baugeschichtlichen zu ergehen, eine Versuchung erster Klasse sozusagen, angesichts der Bedeutung des 1000 jährigen Baudenkmals oder sich der doch recht interessanten Gemeindegeschichte hinzugeben.”

–Tassilo Amesmaier-

Bevor sich ein Ausläufer des rheinhessischen Hügellands nördlich der Pfrimmlaufs in der Rheinebene verliert, gönnt er auf seinem Rücken einer kleinen Kirche einen Blick über die alte Lutherstadt auf ihre erhabenen Schwestern, den Dom und die Reformationsgedächtniskirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“:
Es ist die Bergkirche, hoch über dem Dorf Hochheim gelegen.
Spärlich ist die Urkundenlandschaft zur Baugeschichte der Kirche. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die Bauzeit in das erste Jahrzehnt des zweiten Jahrtausends fällt, also in die Zeit des großen Wormser Bischofs Burchard, der als Erbauer des Wormser Doms gerühmt wird. So durfte die Bergkirchengemeinde und mit ihr das weite Umland im Jahre 2010 ein Tausendjahr-Jubiläum der Kirche feiern.
Erste urkundliche Erwähnung findet die Hochheimer Kirche 1141 in einer Urkunde, in der Probst Heinrich von St. Andreas auf Anordnung und mit Genehmigung des Bischofs Burchard II. seinen Kanonikern die Pfarrkirche Hochheim überträgt. St. Andreas hatte also die Patronatsrechte in Hochheim. 1287 wird urkundlich von einer Beginen-Klause bei der Kirche berichtet, die wohl 1455 durch den Wormser Bischof Reinhard von Sickingen aufgelöst wurde. Im Synodale von 1496 wird erstmals das Patrozinium „St.Petrus“ erwähnt (S.Petrus apostolus patronus). Und hier finden wir auch neben der Nennung heute nicht mehr vorhandener Seitenaltäre (Jacobus und Laurentius) die Erwähnung des dem Heiligen Nicolaus, dem Schutzheiligen der Schiffer, geweihten Altars in der Krypta. Nach der Einführung der Reformation durch den evangelischen Kurfürst von der Pfalz Friedrich III. und der Aufhebung des Klosters Maria Himmelskron wird die Klosterkirche als „Winterkirche“ und die Bergkirche als „Sommerkirche“ von den Reformierten genutzt, Katholische Christen gab es in Hochheim ja zu dieser Zeit nicht. Das ändert sich, als die kurpfälzische Herrschaft an die katholische Linie Pfalz-Neuburg übergeht. Durch die sogenannte Pfälzische Kirchenteilung 1706 wird den Katholischen die Klosterkirche und den Evangelischen die Bergkirche zugesprochen. In der Folgezeit wechselt das reformatorische Bekenntnis mehrfach zwischen calvinistischem, lutherischem und uniertem Verständnis, je nach Herrschaft (cuius regio – eius religio). Unter nationalsozialistischer Herrschaft wird die Gemeinde schwer geprüft. Als Glied der „Bekennenden Kirche“ besteht sie die Prüfung, woran eine Gedenktafel im Kirchenschiff erinnert.
 

Yvonne Siegel-Körper

Förderkreis Bergkirche

Baugeschichte Urform


Aus der Urform der Kirche zeigen sich der mit Sicherheit bedeutendste Teil des Bauwerks, die Krypta, und der Turm. allerdings nur sein Erdgeschoß und die beiden darüber liegenden Geschoße. Tonnengewölbte seitliche Anbauten erweitern vorhallenartig das Innere des Erdgeschoßes. In der linken Nische hält eine würdige Gedenkstätte die Erinnerung an die Gefallenen der beiden Weltkriege wach. Äußerlich lassen in jedem Stockwerk die Rundbogenfriese, wie wir sie am Wormser Dom finden, darauf schließen, dass hier vor tausend Jahren Handwerker der Dombauhütte am Werk waren. Das darüber liegende Uhrengeschoß und das Glockengeschoß weisen Abweichungen in Gliederung und Behandlung der Außenflächen auf und könnten deshalb in der vorliegenden Form etwas später zu datieren sein. Der Glockenstuhl im obersten Geschoß beherbergt neben den drei Glocken aus der Nachkriegszeit die älteste Glocke im Kreis: die Marienglocke aus dem Jahr 1463.
Das absolute Kleinod der Bergkirche ist ihre Krypta, ein Raum von gerade mal 20 qm. Das von vier Mittelsäulen mit Würfelkapitellen getragene Kreuzgewölbe verschafft der zentralen Anlage eine besondere Intimität. Die Platte des Blockaltars aus der Bauzeit(!), einst als „Baumaterial“ missbraucht, wurde 2002 ihrer Vermauerung entnommen und dem Altar wieder zugeführt. Beschädigungen wurden durch den Steinbildhauer Marcus Centmayer künstlerisch bearbeitet.
Das Kirchenschiff, ein Hallenbau mit spätgotischen, zweibahnigen Fenstern, nennt über dem ebenfalls spätgotischen Südportal mit seinen gekreuzten Stäben das Jahr 16o9 als Baujahr. Es ist Nachfolger eines 1607 durch Brand vernichteten kleineren Vorgängerbaus. Dieser stand, ebenso wie die Krypta heute noch, zentral in der West-Ost-Achse mit dem Kirchturm. Der Bau von 1609, wegen der zugenommenen Größe der Gemeinde erweitert, mußte aus Gründen der Hanglage axial nach Norden versetzt werden. Dadurch entstand die sichtbare, unübliche Verschiebung der Bauelemente Turm/Schiff. Ein bühnenartiger Anbau als Chorraum erweiterte 1964/65 das Kirchenschiff nach Osten.
Die seit 1980 wieder sichtbare historische Ummalung der Fensterrahmung in Renaissancemanier war 1948 überstrichen worden. Dafür zierten seinerzeit Wandbilder des Wormser Kirchenmalers Kurt Scriba die Wandflächen zwischen den Fenstern. Die Farbqualität des Jahres 1948 hielt allerdings den Umwelteinflüssen nicht stand. Nur der beherrschende Wandelaltar (1948) zeugt noch in der Bergkirche vom Schaffen dieses Künstlers. Die Bergkirche zeigt sich überhaupt seit vielen Jahren offen für zeitgenössische Kunst. So treffen wir auf den Wormser Künstler Peter Schöffel in seiner Installation „Austausch“ (2000) im Chorraum sowie das Skulpturenkreuz (1996) draußen vor dem Südportal. Von dem bereits erwähnten Wormser Steinbildhauer Marcus Centmayer zeugt die Skulptur „Wandlung“ (1990) in der Krypta, von der Frankenthaler Bildhauerin Verena Schubert-Andres der Taufstein (1985), und von Madeleine Dietz aus Landau die Altarmensa vor dem Wandelaltar (1999). Nicht unerwähnt bleibt letztendlich das schöne Orgelprospekt (1761) des Wormser Orgelbauers Johann Georg Link.
Tassilo Amesmaier

Geschichtliche Entwicklung


Hochheim entwickelte sich als dörfliche Siedlung an den Hängen des Pfrimmtales westlich von Worms. Der alte Ortskern zeichnet sich innerhalb der Binger Straße, Tafelgasse sowie Konventstraße ab und wird markant von der ehemals befestigten Bergkirche überragt. Seit der Eingemeindung 1898 ist das Dorf durch die fortdauernde Neubautätigkeit auch architektonisch ins Stadtgebiet integriert.

Archäologische Funde belegen zumindest schon für die römische Zeit eine Besiedlung im Vorfeld der Civitas Vangionum. So fand man nicht nur zu Füßen der Bergkirche römische Gefäße und Ziegelreste, sondern südlich des 1898 angelegten Wormser Hauptfriedhofes ein römisches Gräberfeld. Es erscheint daher nicht unwahrscheinlich, dass sich auf dem Hügelvorsprung der heutigen Bergkirche ursprünglich ein kleineres römisches Landgut als Zentrum der Ansiedlung befand. Die Endung des heutigen Ortsnamens auf -heim sowie ein fränkisches Gräberfeld in Nachbarschaft zum römischen Friedhof belegen für diesen Ort eine Weiterbesiedlung nach dem Ende der römischen Herrschaft. Die früheste urkundliche Erwähnung findet sich erst für das Jahr 1068, als Bischof Adalbero von Worms die Einkünfte des Stiftes St. Andreas in Worms neu ordnete.

1141 wird erstmals eine Pfarrkirche genannt. Vermutlich kamen deren Einkünfte schon unter dem Wormser Bischof Burchard (1000-25) an das Andreasstift. Dieser verlegte das ehemalige Bergkloster in die Stadt hinein und stattete es neu aus. Auch das Patrozinium des hl. Petrus scheint auf eine bischöfliche Gründung hinzudeuten, da Petrus zugleich der Dompatron ist. Nach dem Wormser Synodale von 1496 trug das Andreasstift die Baulast für Langhaus, Chor und Pfarrhaus, während die Gemeinde Turm, Geläut, Beinhaus und die Friedhofsmauer unterhalten musste. Im 13. Jh. hatten sich an der Bergkirche Beginen angesiedelt, für die 1278 am Westend von Hochheim das Kloster Maria Himmelskron gegründet und dem Dominikanerorden übergeben wurde.

Hochheim war bischhöflich-wormserisches Lehen, kam aber in der ersten Hälfte des 16. Jh. in den Besitz der Kurpfalz. Dadurch wurde auch hier 1556 der Glaubenswechsel vollzogen. Bis zur Union 1824 blieb der Calvinismus das vorherrschende Bekenntnis. Die Bergkirche diente dem reformierten Gottesdienst. Im Winter wich man allerdings auf die ehemalige Klosterkirche der Dominikanerinnen aus. Bei der pfälzischen Kirchenteilung 1705 verblieb die Bergkirche bei den Reformierten, während die Klosterkirche den Katholiken übergeben wurde.

Krypta



Baubeschreibung

Unter dem östlichen Teil des Langhauses befindet sich als architektonische Kostbarkeit ersten Ranges die Krypta aus dem Anfang des 11. Jh. Der Zugang erfolgt seit der Kirchenrenovierung 1948/50 über eine Treppe vor dem Chor. Ursprünglich führten zwei Treppen im östlichen Teil des alten Langhauses hinab. Ist man zunächst überrascht von der geringen Größe des quadratischen Raumes (Länge 4,50 m, Höhe rund 2,40 m), so fesselt die Qualität der Architektur. Vier monolithe Sandsteinsäulen auf steilen attischen Basen tragen über einem breiten Halsring Würfelkapitelle. Letztere sind im Vergleich zu den schlanken, kurzen Säulenschäften auffallend groß. Sie besitzen keine abschließende Kämpferplatte, so dass die sichelförmigen Gurtbögen, die das Kreuzgratgewölbe tragen, unmittelbar darüber aufsteigen. Die Wände sind durch wandhohe, rundbogige Nischen geweitet, wobei in den seitlichen Nischen der Westwand die beiden Zugänge lagen. Licht empfängt die Krypta durch ein Fenster in der Ost-
wand, das aber erst der Restaurierung von 1930/31 entstammt. Es ersetzt eine Tür, die nachträglich eingebrochen wurde, als die Krypta vermutlich als weiteres Beinhaus zweckentfremdet wurde. Original ist noch das kleine Rundfenster der Südseite. Das Wormser Synodale von 1496 nennt für die Krypta einen Altar des hl. Nikolaus. Die Altarplatte fand man Krypta der Bergkirche Hochheimbei der Restaurierung eingemauert im ehem. südlichen Zugang, löste sie jedoch nicht heraus, sondern stellte vor der mittleren Nische der Ostwand einen nachempfundenen Altar auf. Eine neue Mitte hat der Raum durch die Skulptur des Bildhauers Marcus Centmayer aus Worms mit dem Titel „Wandlung“ erhalten, einem bearbeiteten Wormser Bordstein, der im Zentrum der Krypta liegt.

Die Hochheimer Krypta steht in unmittelbarem zeitlichen und stilistischen Zusammenhang mit der Krypta der Galluskirche in Ladenburg, das durch seinen Bischofshof einen zentralen Ort des
Wormser Hochstiftes bildete. Nur durch Ausgrabungen lassen sich noch zwei weitere Parallelbauten des frühen 11. Jh., der Heiligenberg bei Heidelberg und die Wormser Kilianskapelle, nachweisen. Letztere war auch als Bautypus einer Kirche mit Westturm, Ostkrypta und Rechteckchor mit der Bergkirche vergleichbar.

Fotos: Bruno Kruljac, Norbert Rau (Altarplatte)

Orgel


Eine Königin unter den Instrumenten wird die Orgel mit Recht genannt.

Kein anderes Instrument kann sich mit ihr vergleichen. Ihre Größe, Klangfülle und Vielfalt variabler Klangfarben machen sie einzigartig unter ihresgleichen. Was hat es nun auf sich mit der Orgel, die in den Gottesdiensten und zu anderen Gelegenheiten in der Hochheimer Bergkirche erklingt? Die älteren Gemeindeglieder haben noch die Vorgängerin der jetzigen Orgel gekannt. 1910 wurde sie durch die Orgelbauanstalt Förster und Nikolaus aus Lich in Hessen erbaut. Sie hatte 9 Register und fand ihren Platz in dem heute noch erhaltenen barocken Gehäuse, welches für die Vorgängerin gefertigt wurde. Leider wissen wir über dieses Instrument nichts mehr. Die Orgel von 1910 war nach dem 2. Weltkrieg in einem schlechten Zustand. Kriegsbedingt und durch die Verhältnisse der Nachkriegsjahre, waren lange Zeit keine Maßnahmen zur Erhaltung möglich. So beschloss man die Neuanschaffung einer Orgel, die wieder sicher in der Funktion und mit doppelter Registerzahl auch eine größere klangliche Vielfalt bot. Die weltweit im Orgelbau renommierte Firma Walcker in Ludwigsburg war sehr daran interessiert nach dem Krieg in Rheinhessen einen Orgelneubau zu erstellen und machte finanziell größte Zugeständnisse. Da diese Orgel auch zur Demonstration für interessierte Gemeinden dienen sollte, wurde das Instrument mit großer Sorgfalt gefertigt. Es besitzt 18 Register mit zusammen 1172 Pfeifen. Weil dafür der Platz im alten Gehäuse nicht ausreichte, wurde das Hauptwerk um ein Rückpositiv an der Emporenbrüstung erweitert. Ein leichtes Schicksal hatte die neue Orgel nicht. 

Durch ihre Größe bedingt, musste sie zwei umfassende Baumaßnahmen an Ort und Stelle überstehen. Einmal war es der Abriss der Chorrückwand und Erweiterung des Altarraumes und zum anderen die Erneuerung des gesamten Fußbodens samt Heizung. Letztere Maßnahme war mit Wochen anhaltender enormer Staubentwicklung verbunden. Zwar hatte die ausführende Firma die Orgel vorbildlich mit Plastikplanen umhüllt, doch fand eine Menge Feinstaub leider immer noch einen Weg ins Innere der Orgel. So konnte der Schaden nicht verhindert, aber doch vermindert werden. Dieser Staub behindert die Tonbildung der Pfeifen, die durch eine ganz schmale Spalte am „Labium“ geschieht. Dadurch kann der Ton unruhig werden und eine saubere Stimmung wird erschwert. Eine Ausreinigung ist nötig. Dazu mussten alle über tausend Pfeifen ausgebaut werden; denn eine Reinigung des Pfeifeninneren ist eingeschlossen. Ein weiteres Problem zeichnet sich ab: das Leder der vier großen Bälge von 1955 altert und wird porös. Noch können einzelne Undichtigkeiten geflickt werden, doch ist diese Möglichkeit begrenzt. Um die Bälge zu entfernen und zu erneuern ist es nötig, dass Teile der Orgel ausgebaut werden müssen. Die Größe der Bälge stellen sie sich besser nicht vor. Sie sind auf alle Fälle noch größer! Das verursacht Kosten in fünfstelliger Höhe, zu denen die Kirchenverwaltung keinen Zuschuss gibt.
Lothar Hechler

Turm


Der Turm wurde ursprünglich 3-stöckig in den Jahren 1000 bis 1010 mit einem Zeltdach/Spitzdach erbaut. Das damalige Kirchenlanghaus war so breit wie das Untergeschoss des Turmes. Durch einen Brand im Jahre 1607 wurden große Teile des Turmes und des Daches zerstört. Beim Wiederaufbau 1609 wurden zwei weitere Geschosse, das Uhrengeschoss und das Glockengeschoss, auf die alten Mauerreste aufgesetzt. Aus dieser Zeit stammt auch das Giebeldach. Im Jahre 1929 wurde durch ein vorgenommene Restaurierung des Turms alte Brandspuren beseitigt; das Portal und die Säulen der Klangarkaden wurden erneuert, die Giebel des Turmdachs in steilerer Form neu aufgemauert. Damals entstand in einem Friesfeld der Nordseite des Turmuntergeschosses ein Wappenrelief, das den Hochheimer halben Reichsapfel zeigt, bewacht von dem Wormser Drachen, eine heraldische Erinnerung an die Eingemeindung Hochheims nach Worms.
Im Erdgeschoß des Turms, dessen Breite derjenigen des romanischen Kirchenschiffs entspricht, empfängt den Besucher eine Vorhalle; die Schmalseiten tragen mit starken Gurtbögen über tiefen Nischen die Nord- und Südwände des verjüngten zweiten Turmgeschosses. Heute dient die nördliche Nische dem Gedächtnis an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Das Äußere des Turms ist durch Lisenen, Gurte und Rundbogenfriese gegliedert. Eine Blendarchitektur mit Wandsäulen zeichnet das Uhrgeschoß aus; im Glockengeschoß finden sich Klangarkaden aus gekuppelten Rundbogenfenstern mit eingestellten Rundsäulen.

Wetterhahn Bergkirche – Artikel in Kirchenzeitung 30/1994
Kirchenvorstand wollte pfiffiges Modell – Designer-Hahn statt Zink-Modell

Nun ist er wieder da, der im Herbst vergangenen Jahres „erkrankte“ Hahn auf dem Turm der altehrwürdigen Bergkirche in Worms-Hochheim. Allerdings in neuer Ausfertigung: Es ist ein neuer, kunstvoller Hahn, der sein aus den 20er Jahren stammendes Vorgängermodell ablöst. Ersatz war notwendig geworden, nachdem der „Katalog“-Hahn aus Zink korrodiert war und abzufallen drohte. Voller Stolz zeigte sich Pfarrer Hannes-Dietrich Kastner ob der neuen Errungenschaft, die ein Werk des jungen Kunstschmieds Peter Schöffel aus Leiselheim ist. Da, so der Pfarrer, auch Kirchen und erst recht die Hochheimer Kirche aus dem 11. Jahrhundert eine gewisse Persönlichkeit besitzen, sei es eine Verpflichtung, Altes zu bewahren beziehungsweise adäquat zu ersetzen. Denn in dem Hahn, jenem vieldeutigen Symbol, das in erster Linie mit der biblischen Petrusgeschichte in Verbindung gebracht wird, sieht Kastner die eindringliche Mahnung, „nicht an der falschen Stelle zu verschlafen“. Und so kann es nicht verwundern, dass sich der Kirchenvorstand einstimmig für das „witzige, pfiffige Modell entschieden hat. Auch für den Künstler war es eine willkommene Herausforderung, ein modernes Werk mit dem alten Gebäude in Verbindung zu bringen Der aus Spendengeldern finanzierte leicht drehbare Hahn hat eine „ganz andere Ausstrahlung“: Mit seinem schwarzfarben kugelförmigen Corpus aus Eisen und seinen kleinen, zarten blauen Glaskügelchen an Schwanz und Kamm wird er zukünftig nicht nur stets die richtige Windrichtung anzeigen, sondern darüber hinaus durch seine Wachsamkeit vor Gefahren warnen und als Künder des neuen Tages, als einmalige Wächter- und Zeitfigur auf das Jahrtausende alte Worms schauen. 

Hans-Jörg Koch

Geläut


Wann läuten Glocken?

Die Bedeutungen des Kirchenläutens sind uns allen – auch mit ihren langen

Traditionen – doch weitestgehend vertraut: Nach Hans-Martin Balz, Glockensachverständiger der EKHN1, sind dies
• die Einladung der Gläubigen zum Gottesdienst,
• während des Gottesdienstes der Hinweis auf
             bestimmte Vorgänge (Vaterunser, Sanctus,Taufe, Einsegnung, Trauung) – verbunden mit
             dem Aufruf der nicht in der Kirche Anwesenden zum teilnehmenden Gebet, und
• mehrmals täglich die Mahnung zum Gebet.

Wie Herr Balz so anschaulich in seinen Hinweisen schreibt, sind Glocken „die verbreitetsten und größten Musikinstrumente“. Jede Glocke für sich hat ihren eigenen Klang, und im Zusammenwirken der verschiedenen Glocken entstehen in jedem Kirchenturm ganz individuelle Klangwelten.

Wie nun aber konkret die vier Bergkirchenglocken zu den einzelnen Anlässen läuten, legt die Läuteordnung fest, welche jede Kirchengemeinde über Beschlüsse ihres Kirchenvorstands für sich selbst definiert, sicherlich unter Beachtung der über die Jahrhunderte hinweg entstandenen Traditionen, aber eben auch unter Berücksichtigung der besonderen regionalen Gegebenheiten.

Der Kirchenvorstand der Bergkirche hat sich deshalb im Jahr 1992 intensiv mit der Läuteordnung, auch unter Hinzuziehung des Glockensachverständigen der Landeskirche, befasst. Hannes-Dietrich Kastner schreibt im Gemeindebrief vom April 1992: „Ausgangspunkt unserer Überlegungen war die Einsicht, dass es sich bei Glocken um Musikinstrumente handelt und dass es lohnend ist, dieses Instrumentarium in seinen reichen Möglichkeiten zu nutzen.“ Die variierte Läuteordnung mit dem Resultat teilweiser neuer Klänge hat damals zu Nachfragen geführt – „ob das Läuteprogramm gestört sei oder die Küsterin ihren Dienst aufgegeben habe“2. Die im November 1992 beschlossene Läuteordnung ist auch heute noch maßgebend für das Geläut der Bergkirche, welches uns inzwischen nach fast zwanzig Jahren sicherlich gut vertraut ist. Nachfolgend auszugsweise einige Läuteregeln entsprechend den Anlässen zum Läuten und in Anlehnung an die Anmerkungen Pfarrer Kastners zur neuen Läuteordnung im April 1993.

Im Glockenturm rechts unten: „Gloria“, die größte und trotz ihrer immerhin 50 Jahre die jüngste der vier Glocken der Bergkirche. Ton e, 121,5 cm Durchmesser, ca. 20 Zentner, 1961
Rechts oben ist die kleinste und älteste Glocke angebracht: „Maria“ Ton c, 80 cm, 300 kg, 1463.

”Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede den Menschen, die guten Willens sind”

Inschrift der Gloria-Glocke, der größten Glocke der Hochheimer Bergkirche

 

Glockenzeichen


Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen
Wie bereits erwähnt, folgt auch die Läuteordnung der Hochheimer Bergkirche in vielen Einzelheiten der Tradition – so etwa im Einläuten des Sonntags (samstags um 19.00 Uhr 8 Minuten die Glocken Maria, St. Peter und Martin Luther) oder beim Vorläuten eine Stunde vor Gottesdienstbeginn am Sonntag (die kleinste Glocke Maria) – und nochmals eine halbe Stunde bevor sich die Gemeinde im Namen des Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes versammelt (Maria und die nächstgrößere Glocke St. Peter). Zu Beginn des Gottesdienstes läuten ab 10.05 Uhr für 10 Minuten alle Glocken der Hochheimer Bergkirche – dies wird auch Zusammenläuten genannt, da hier alle Glocken beteiligt sind.

Diese Regelungen für den sozusagen „klassischen Sonntagsgottesdienst“ variieren bei Abend-, Vespergottesdiensten und an besonderen Feiertagen – besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle lediglich nochmals das Läuten an Karfreitag – hier ertönt nur eine einzelne Glocke, nämlich nur die große Gloria.

Glockenzeichen während des Gottesdienstes
Nach Hans Martin Balz sind diese ein uralte Sitte – das Läuten zum Vaterunser beispielsweise werde schon im Visitationsabschied von 1629 bezeugt1; in der Hochheimer Bergkirche erklingt während des Vaterunsers die kleine Marienglocke. Des Weiteren wird zur Taufe geläutet, ebenso zur Einsegnung bei Konfirmation und Trauung. Bei allen solchen Segenshandlungen, die einzelnen Menschen gelten,
läuten in der Bergkirche als sogenanntes Gruppengeläut die mittleren beiden Glocken (St. Peter und Martin Luther).

Läuten bei Beerdigungen
Hier ist zu unterscheiden zwischen dem Läuten anlässlich eines Sterbefalles, dem sog. Sterbeläuten, und dem Läuten zur Beerdigung. Beim Sterbeläuten erklingt für drei mal 2 Minuten mit Zäsuren die Glocke St. Peter, im Anschluss erfolgt nochmals ein 7minütiges Läuten dieser Glocke. Sie ist ebenfalls bei dem Weg zum Grab für 15 Minuten zu hören.

Läuten an Werktagen
Als tägliches Gebetsläuten erklingt die kleinste Glocke „Maria“ im Mittagsgeläut um zwölf Uhr (Friedensgebet) und zur Anzeige des Abends um achtzehn Uhr (Abendgebet). Auch das tägliche Gebetsläuten geht auf vielfältige und regional sehr unterschiedliche Traditionen zurück – Hans Martin Balz schreibt1, dass „das tägliche Läuten […] von Fall zu Fall nach der Jahreszeit und den Bedürfnissen der Bevölkerung abgewandelt“ wurde. In unseren Zeiten werde man „jedoch auch auf die heutigen Lebensformen achten“ – das extrem frühe Morgenläuten beispielsweise, welches in zurückliegenden Jahrhunderten teilweise bereits um vier Uhr erklang, wird sich in heutigen Läuteordnungen nicht mehr finden lassen – auch nicht in der Hochheimer!

Sie sehen also – die Art des Läutens und das Zusammenspiel der einzelnen Glocken sagt uns direkt etwas über den Anlass des Läutens. Dabei beginnt – wenn mehrere Glocken läuten – stets die kleinste. Im Falle der Bergkirche ist die kleinste gleichzeitig die älteste Glocke: „Maria“. Ausgeläutet wird in der gleichen Reihenfolge, d. h. die kleinste Glocke schweigt als erste, während die tiefste Glocke – in der Bergkirche die „Gloria“ – bis zuletzt läutet.

Im Turm der Bergkirche hat links oben „St. Peter“ seinen Platz: Ton a, 84,2 cm. 310 kg. Darunter schlägt „Martin Luther“ Ton g, 94,5 cm, 417 kg. Beide Glocken sind von 1950. Im Vordergrund angeschnitten zu sehen: „Gloria“.

 

Glocken – älter als die Kirchengeschichte


Dass auch das Geläut der Bergkirche auf jahrhundertealte Traditionen zurückgeht, wurde bereits mehrfach angesprochen – aber hätten Sie gewusst, wie weit die Geschichte der Glocken generell zurückreicht?

China darf man als Ursprungsland der Glocke vermuten, auch wenn sie wohl nie so richtig erfunden oder entdeckt wurde – so jedenfalls der Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen zu den Anfängen unserer heutigen Kirchenglocken. In Asien war die Glocke vor 5000 Jahren „einfach da“3. Und zwar in verschiedenen Funktionen – sowohl als Maßeinheit für Getreide als auch als tonangebendes Musikinstrument („Dem Orchester verhalf sie als ‚Stimmgabel‘ zum rechten Ton. Ihre Klänge galten als Bindeglied zwischen Himmel und Erde.“) und Signalgeberin für kultische Handlungen.

Die frühe Christenheit hat wohl die Glocken zunächst – wie auch alle anderen Musikinstrumente – wegen ihrer heidnisch-rituellen Bedeutung abgelehnt1. Paulus vergleicht den Menschen ohne Liebe tönendem Erz oder einer klingenden Schelle (so Hans Martin Balz – der zitierte Beratungsausschuss lässt für das Paulus-Zitat aber auch noch andere Deutungen zu!). Ab dem 4. Jahrhundert nach Christus aber werden Glocken in den entstehenden Mönchsgemeinschaften als Signalgeber zum gemeinsamen Gebet und den Gottesdiensten eingesetzt – ausgehend wahrscheinlich von den koptischen Mönchsgemeinschaften in Ägypten, welche wohl als Erste die Glocken in ihren liturgischen Dienst nahmen1, 3. Wie Hans Martin Balz weiter ausführt, haben die Weltkirchen diesen Brauch übernommen, und ab dem 6. Jahrhundert verbreiteten sich die Glocken – ausgehend vom Orient – über Frankreich und Italien in ganz Europa.

Krieg entfremdet selbst Glocken ihres Zweckes
Dabei durften die Kirchenglocken im Laufe der Jahrhunderte nicht immer bei ihrer eigentlichen Bestimmung – dem Läuten zu Gottesdiensten und Gebet oder in früheren Zeiten noch verstärkt zum Ordnen des täglichen Lebens (wobei ja auch heute noch die Glockenschläge uns – ganz profan – die Uhrzeiten angeben) – bleiben: In Kriegszeiten war das Einschmelzen der Kirchenglocken und das Herstellen von Kriegsmaterial, vorrangig wohl von Kanonen, immer wieder ein häufig eingesetztes Verfahren zur Unterstützung der Kriegsmaschinerie.

Auch Glocken der Hochheimer Bergkirche blieben hiervon nicht verschont – Pfarrer Jobst Bodensohn4 schreibt in einem Exkurs über die Glocken der Hochheimer Bergkirche, dass aufgrund einer am 9.7.1917 ergangenen Anordnung an alle Kirchengemeinden die kleinere der beiden Kirchenglocken aus dem Jahr 1885 für die Einschmelzung zu Kriegszwecken abgegeben werden musste. Auch die drei im Jahr 1924 neu angeschafften Glocken entgingen diesem Schicksal nicht – 1943 wurden auch sie zu Kriegszwecken dem Staat übereignet. Das neuerliche Opfer der Glocken erwies sich dabei – so Pfarrer Jobst Bodensohn in seiner Abhandlung – als ebenso sinnlos wie das im Jahre 1917 gebrachte – Zeilen, denen man auch heute noch mit dem Abstand von Jahrzehnten uneingeschränkt zustimmen kann.

Eine neue Zeit wird eingeläutet
Was empfinden Sie, wenn Sie das Geläut der Bergkirche hören, sei es als Einladung zum Gottesdienst, oder vielleicht auch einmal zu nächtlicher Stunde, wenn der Schlaf mal fern bleibt und man die einzelnen Glockenschläge mitzählt, um sich die aktuelle Stunde zu vergegenwärtigen? Für die meisten von uns sind es wohl vertraute und beruhigende Klänge.
Aber auch ein anderes Erleben ist möglich – lassen Sie mich mit einem – wie ich finde sehr anrührenden – Gedicht von Dietrich Bonhoeffer enden: „Nächtliche Stimmen in Tegel“ aus den Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft im Gefängnis Tegel , Juni 1944, aufgezeichnet in „Widerstand und Ergebung“, GTB3. Dietrich Bonhoeffer war es leider nicht vergönnt, das Ende des 2. Weltkrieges und das Entstehen eines freien demokratischen Staates in einem friedlichen Europa zu erleben – uns begleiten die Kirchenglocken in – vergleichsweise – guten Zeiten durch den Tag und in eine – so hoffen wir – gute Zukunft.
Christine Ripier-Kramer

Zwölf kalte, dünne Schläge der Turmuhr wecken mich.Kein Klang, keine Wärme von ihnen bergen und decken mich.Bellende, böse Hunde um Mitternacht schrecken mich.Armselige Geläute trennt ein armes Gestern vom armen Heute.Ob ein Tag sich zum anderen wende,der nichts Neues, nicht Besseres fände,als daß er in Kurzem, wie dieser ende …Was kann mir´s bedeuten?Ich will die Wende der Zeiten sehen,wenn leuchtende Zeichen am Nachthimmel stehen,neue Glocken über die Völker gehenund läuten und läuten …


Quellennachweis:
(1) – Läuteordnungen und ihre Bedeutung; Geschichtliche und praktische Hinweise zum Gebrauch der Kirchenglocken von Hans Martin Balz, Glockensachverständiger der EKHN (aus Kirchenmusikalische Nachrichten des Amts für Kirchenmusik, Frankfurt Jahrgang 43, Nr.3, Juli/Sept. 1992) – Internetveröffentlichung über www.musicanera.de
(2) – Gemeindebrief der Ev. Kirchengemeinde Worms-Hochheim, Heft 8, April 1993, Hannes-Dietrich Kastner, „Eine neue Läuteordnung“
(3) – www-glocken-online.de, offizielle Web-Site des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen – Ausschuss der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz
(4) – Gemeindebrief der Ev. Kirchengemeinde Worms-Hochheim, Heft 4, Oktober 1991, Artikel „Gloria in excelsis Deo – Von unseren Glocken“, Auszug aus dem Büchlein über die Bergkirche St. Peter zu Worms-Hochheim von Pfr. Jobst Bodensohn, 1965

Kunst in der Bergkirche


Kunst liegt im Auge des Betrachters“ Diese Feststellung bestätigt sich immer wieder bei Führungen in unserer Kirche: am Tag des offenen Denkmals, bei Besichtigungen durch Schulklassen, aber auch in Äußerungen von Gemeindemitgliedern, denen etwas überhaupt nicht gefällt.
Da wäre z.B. der Altar unserer Kirche: Ein großer Quader aus geschwärztem lndustriestahl, in der Mitte eine senkrechte Lücke, gefüllt mit gebackenen, bewusst nicht gebrannten Platten aus dem Lehm eines Baches. Denn diese Platten könnten, herausgenommen und angefeuchtet, Pflanzen Leben ermöglichen. Nach dem Empfang des Abendmahls äußerte ein Gemeindeglied: „Ich hatte den Eindruck, neben einem Sarg zu stehen!“ Wie richtig ist diese Empfindung: Christen gedenken doch beim Abendmahl des Todes Christi! Und beim Füllen der Lücke in der Mitte des Altars fügten sich die Platten unbeabsichtigt so, dass man mit etwas Phantasie – in der Mitte einen Kelch erkennen kann, wie ihn Jesus am Kreuz angenommen hat: Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!
Der Flügelaltar zeigt Bilder aus dem Leben Jesu. Die Tafel von seiner Geburt zeigt im Hintergrund den Turm unserer Kirche. Das ist kein historischer Beweis für die Geburt Jesu in Worms-Hochheim, aber sehr wohl die Zusage: Für alle Menschen, auch die in Hochheim, ist Jesus Mensch geworden, gestorben und auferstanden, wir alle können sein Erlösungswerk im Glauben annehmen!
Und dann ist da noch die seltsame, fremd anmutende Röhreninstallation aus der rechten Seite des Altarraumes: rostige Röhren, die auch noch verbogen sind. Schulklassen der Gas- und Wassertechniker wenden ein: Röhren sollten möglichst gerade sein! Es folgt ein Gang durch die Kirche: Von der Seitentür aus gesehen, sind die Rohre nach rechts gebogen. Von der Ecke des Geländers zur Krypta scheinen sie parallel zu verlaufen, vom Fuß der Kanzel aus nach links gebogen. Überhaupt nicht! Der Titel dieser Installation lautet „Austausch“, Schüler, Lehrer und Besucher haben zweimal ihre Standorte gewechselt, ein drittes Mal zur Altarwand. Sie begriffen: Unsere Leben verläuft nicht geradlinig, es verändert sich mit der Zeit und mit ihr unsere Einstellungen, Erfahrungen, unser Glaube. Doch die Röhren symbolisieren die beständige Kontaktmöglichkeit zwischen Gott und Mensch, auch wenn unser Leben nicht ohne Umwege verläuft. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade! Die Botschaft, die von dieser Skulptur ausgehen könnte: Austausch zwischen Gott und Mensch ist möglich, auch wenn das nicht ohne Umwege sein muss, auch wenn es zeitweise Blockaden – erkennbar in dem Stabilisierungsklotz zwischen den Röhren – geben sollte.
Im Rahmen einer Ausstellung der Reihe “Kunst und Kirche” stellte der Bildhauer Marcus Centmayer im März 1990 u.a. eine Bodenskulptur mit dem Titel “Wandlung” aus. Besucher der Ausstellung, die diese Arbeit in der Krypta sahen, aber auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den in der Krypta stattfindenden Fastenandachten äußerten, dass diese Skulptur sich gut in den Raum einfüge. 1990 konnten wir die Skulptur aus zweckgebundenen Spendenmitteln erwerben. Die Skulptur ist aus Granit gearbeitet. Es ist ein alter Wormser Bordstein. Der Künstler hat sich in den Stein hineingearbeitet. Dabei sind drei Kammern ( 13×13 cm ) entstanden. Aber es entsteht ferner der Eindruck, dass dieser Weg weiter zu gehen sei. Wer in einen Wormser Bordstein eindringt, der setzt sich mit der Geschichte dieser Stadt auseinander. Wer in einen Wormser Bordstein eindringt, sieht plötzlich ganz unterschiedliche Menschen ihre Wege ziehen, Glückliche und Unglückliche, geliebte Menschen und verhasste Menschen, Menschen aller Altersgruppen, die verschiedenen Generationen. Es bleibt nicht aus, dass wir dabei auf Wunden stoßen. Wunden schmerzen. oftmals sind sie entzündlich und heiß. Also ist es gut, die Wunden immer wieder zu kühlen. Das geschieht bei dieser Skulptur. Und es tut wohl, wenn sich dann Stein, Weg, Wunden, Wasser und der Lichterschein der Kerzen miteinander verbinden.

Künstler:

Madeleine Dietz (Altar) – Biographie

Kurt Scriba (Flügelaltar)

Marcus Centmayer (Bodenskulptur Wandlung)

Peter Schöffel (Röhreninstallation, Wetterhahn, Kreuz Südportal)

– 1962 geboren in Speyer

– Schulausbildung in Speyer – 1981 Abitur

– 1981-84Lehre im Schlosser- und Schmiedehandwerk

– 1989-91 Zeichenunterricht bei Peter Zeiler in München

– 1991 Meisterprüfung in München

– Stipendium in Venedig, Weiterbildung bei dem Bildhauer und Schmied Alfred Habermann, Ausbildung in der Denkmalpflege

– 1992 neuer Wohnsitz in Worms-Leiselheim, arbeitet als Metallgestalter bei Hermann Gradinger in Mainz-Gonsenheim

– Juni 1996 Teilnehmer am Bildhauersymposium im Kloster Limburg/Bad Dürkheim, Entwurf und Ausführung einer Marienskulptur für die Klosterkirche

– ab 1998/99 selbstständig tätig

Rundgang


Wir beginnen den Rundgang außerhalb des Gotteshauses.-

1. Auf der Nordseite des Turmes ist innerhalb eines Bogenfeldes das Hochheimer Wappen angebracht.

2. Die Gestaltung des Tympanon ( Hauptportal ) stammt aus dem Jahre 1929.

3. Von den alten Schreckköpfen wurden 1929 einige Stücke erneuert.

4. Auf dem nördlichen Außengelände ist ein Gedenkstein für Opfer der Kriege des 19. Jahrhunderts aufgestellt.

5. Der Turmhahn, der 1994 installiert wurde, stammt aus der Werkstatt des Schmiedes und Bildhauers Peter Schöffel.

6. Auch das auf der Südseite aufgestellte Skulpturenkreuz ist eine Arbeit von Peter Schöffel ( 1996 ).

7. Die Jahreszahl 1609 im Türbogen des südlichen Portals erinnert an den Abschluss einer umfangreichen Erweiterung der Kirche nach Norden hin.

8. In der Turmhalle sind zwei alte Grabsteine aufgestellt, die an zwei Schaffner der kurpfälzischen Schaffnerei in unmittelbarer Nähe des Klosters Maria Himmelskron erinnern.

9. Auf der gegenüber liegenden Seite wurde die Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege angebracht.

10. Die in der Vorhalle aufgestellten Fenstersteine hatten ursprünglich ihren Ort in der Ostwand der Kirche. Hier ist auch der alte Altar und ein altes Uhrengewicht zu sehen.

11. Das Geläut der Bergkirche umfasst vier Glocken. Drei Glocken wurden nach dem letzten Krieg neu gegossen. Eine Kostbarkeit ist die älteste, aus dem Jahre 1463 stammende Marienglocke. Sie stammt aus der kath. Kirche Maria Himmelskron.

12. Von der alten Orgel, die 1761 von dem Wormser Orgelbauer Johann Georg Linck geschaffen wurde, ist nur noch der barocke Prospekt erhalten. Das heutige Orgelwerk stammt aus der Werkstatt Walcker / Ludwigsburg und entstand 1955.

13. Kurt Scriba malte in den Jahren 1948-1950 den Flügelaltar der Bergkirche in Farben und Formen eines zum Expressionismus neigenden Jugendstils. Das Bildprogramm des Flügelaltars nimmt auf die verschiedenen Themen des Jahres der Kirche Bezug.
14. Im Besitz der Gemeinde ist seit 1996 ein Fastentuch, das Barbara Held-Weidner aus Wuppertal für die Bergkirche gemalt hat. Das Tuch knüpft thematisch an die Malereien Kurt Scribas an. Held-Weidners Arbeit, die in Weiß und Grau gehalten ist, zeichnet sich vor allem durch kritische Reduktion aus.

15. Die in Gebrauch befindlichen Paramente der Gemeinde gehen u.a. auf Entwürfe von Helmut Uhrig zurück und stammen aus den vierziger und fünfziger Jahren.

16. Der ursprüngliche Taufstein der Bergkirche befindet sich heute in der katholischen Pfarrkirche Maria Himmelskron. Der neue Taufstein entstand 1985. Das obere Stück, ursprünglich Teil einer alten Getreidemühle ( aus der Schachchen-Mühle )wurde von einer Frankenthaler Künstlerin Verena Schubert-Andres leicht bearbeitet. Der Fuß ist eine Arbeit von Frau Schubert-Andres.
Bei Taufen wird eine Messingschale eingelegt, die in der Werkstatt G. Schönwandt / Nordeck gearbeitet wurde.

17. Der Deckenleuchter ist etwa hundert Jahre alt und stammt aus einer Berliner Werkstatt.
18. Die Krypta, die über eine Treppe auf der Nordseite der Kirche zu erreichen ist, wurde 1885/6 verschüttet und ist erst 1930 wieder freigelegt worden. Die Mensa des 1496 genannten Nikolausaltares wurde 1930 im südlichen Zugang der Unterkirche entdeckt.
19. Auf dem Boden der Krypta liegt seit 1990 eine Skulptur des Bildhauers Marcus Centmayer aus Worms-Heppenheim, die den Titel “Wandlung” trägt.